„Nichts ist vergleichbar mit dem guten Gefühl, an einen vertrauten Ort zurückzukehren und zu merken, wie sehr man sich verändert hat.“
Nelson Mandela
Kapitel 1- Die Vorbereitung
Wenn mehrere Personen zum Angeln nach Norwegen fahren wollen, ist man gut beraten, Zeit für die Reiseplanung aufzuwenden. Deshalb fand unser erstes Treffen hierfür bereits im letzten Quartal 2025 statt. Akribisch wurden die erforderlichen Einkünfte aufgelistet und Verantwortlichkeiten für anstehende Aufgaben festgelegt. Dabei waren unsere langjährigen Erfahrungen aus vorausgegangenen Angelreisen nach Norwegen von Vorteil. Für 10 Tage wollten vier Sportfreunde mit zwei PKW die Reise über Dänemark und dann mit der Fähre von Hirtshals nach Kristiansand in Norwegen antreten. So wurde die Verpflegung besorgt, Norwegische Kronen eingetauscht, und Ferienunterkunft sowie Fähre gebucht. Dann konnte es also losgehen und die PKW gepackt werden. Natürlich waren sie wie immer randvoll!
Kapitel 2- Die Anreise
Bei bestem Reisewetter machten wir uns am 15.04.26 um 4.00 Uhr in der Frühe los, denn es galt die 923 Km über Hamburg bis zum Fährhafen Hirtshals, pünktlich zu absolvieren. Mit einer Fähre der Fjordline ging es dann ab 19.15 Uhr über Stavanger nach Bergen, wo wir am nächsten Tag 13.00 Uhr ankommen sollten. Bis dahin verbrachten wir einen Teil der Zeit mit Gesprächen über vergangene Angelreisen und lustigen Erlebnissen. Erheiternd war dann die gemeinsame Nacht in einer 4-Mann- Kabine. Aber wir Angler sind ja Leidensfähig! In Bergen pünktlich angekommen, war es zwar Kalt, aber Schneefrei. Dann führte uns unser Weg weitere 5,5 Std. zum Ziel unserer Reise- die Insel Bomlö. Hierfür wurde noch eine Inlandsfähre genutzt. Um unser Ziel zu erreichen, fuhren wir durch dutzende Tunnel und über Brücken. Bei der ständigen Sicht auf die Vielzahl der herrlichen Fjorde und Seen schlugen die Anglerherzen dann schon höher! Gegen 14.00 Uhr waren wir dann auf der Insel in Mosterhamn am Fishing Camp angekommen, wo uns schon der Vermieter erwartete. Eine umfassende Übergabe der Unterkunft erfolgte nicht, was sich später als problematisch erweisen sollte. Nun galt es zunächst, die ganze Ausrüstung wieder auszupacken und im Haus zu verstauen.
Kapitel 3- Unser Angelcamp
Unsere Unterkunft lag unmittelbar am Wasser und war mit einer breiten Terrasse und einem Bootssteg und Filettierplatz ausgestattet. Hier standen uns ein 30 Fuß-Boot mit 60 PS- Motor und ein größeres überdachtes Boot mit 140 PS- Motor zur Verfügung. Das Haus hatte 3 Schlafzimmer, 2 Toiletten und eine Dusche; verteilt auf zwei Etagen. Die Küche war mit Allem ausgestattet, was erforderlich ist. Spannend war dann die Aufteilung der „Schnarcher“auf die Schlafzimmer. Ich teilte mir das verfügbare Ehebett mit meinem Kumpel. “Vorkommnisse“ gab es keine.
„ Stress entsteht, wenn man nicht genug angeln kann.“
Kapitel 4- Die weitere Vorbereitung
Der Vermieter übergab nach einer kurzen Einweisung an unsere beiden „Bootsführer“ die Boote. So konnte es dann bald losgehen. Nach dem Verstauen der Sachen und der Verpflegung wurden schon die Angeln ausgepackt und individuell vorbereitet. Nichtangler werden nie verstehen, weshalb extra von Deutschland mitgebrachte Heringe (Ursprungsland Norwegen) dazu dienen sollen, Norwegische Fische zu fangen. Am nächsten Morgen sollte die Fahrt auf dem Bomlöfjord beginnen. Solange wollte ich nicht erst warten. Flugs griff ich die mitgebrachte Spinnrute ,einen 12 Gr Zocker, um vom Steg aus zu testen, was so im Wasser an Fisch vorhanden war. Kaum ausgeworfen, hing auch schon der erste Seelachs am Haken. Der wurde wieder in das Wasser entlassen, um weiter wachsen zu können.
„ Beim Angeln ist es wie im Leben: Mal fängt man, mal nicht.“
Kapitel 5- Unsere Ausfahrten
Nach ausreichendem Frühstück ging es am Folgetag mit den Booten zur ersten Ausfahrt. Das Wetter war gut; es wehte ein leichter Wind. Mit Hilfe der verfügbaren Seekarten und Echolote konnten die vielversprechenden Fanggründe angesteuert werden. Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein. So wurden neben Seelachsen und Pollack auch Leng gefangen. Als wahre Plage erwiesen sich Heringshaie , die laufend an den Haken gingen. Diese Fischart ist geschützt und muss zurückgesetzt werden. Leider war das Wetter in den Folgetagen sehr launisch. Es regnete oft heftig und der Wind frischte auf, so das die geplante Fahrt zum offenen Meer ausfallen musste und die Ausfahrten geringer als geplant stattfanden. Besonders erfreulich war der Fang eines stattlichen Seeteufels durch einen unserer Sportfreunde. Das erlebt man nicht so oft. Wie oft, war das Wetter am letzten Tag sonnig und warm. Wir konnten mehrere Dorsche, Leng und Seelachse fangen. Unsere Fanggründe lagen oft in der Nähe der Schifffahrtsrouten; so war es uns möglich, die dort in unmittelbarer Nähe fahrenden großen Fähren, Kreuzfahrtschiffe und Tanker zu bewundern. Vor deren Wellen waren wir stets auf der Hut. Erstmals konnten wir auch ein Schiff und ein U- Boot der Norwegischen Marine sichten. Die Wassertiefen befanden sich in diesem Bereich jenseits von 200 Metern.
Auf Reisen gleichen wir einem Film, der belichtet wird, Entwickeln wird ihn die Erinnerung“
Norwegisches Sprichwort
Kapitel 6- Unsere Ausflüge
Wir nutzten das schlechte Wetter, um Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung kennen zu lernen. Die schöne Umgebung mit ihren bis an die Fjorde heranreichenden Bergen, hinterließ bleibende Eindrücke. So führte uns ein gemeinsamer Ausflug an den fünftgrößten und höchsten Wasserfall des Landes.
Der Langfossen, wie er genannt wird, liegt in der Provinz Vestland und stürzt sich mit einer atemberaubenden Fallhöhe von 612 Metern in den Akrafjord. Zwei von uns wagten den teilweisen Aufstieg an einem markierten Wanderweg, um einen fantastischen Ausblick auf den Fjord zu haben. Das hatte sich gelohnt, da zwischen den gegenüber liegenden Berggipfeln, der drittgrößte Festlandsgletscher Norwegens, der Folgefonna, zu sehen war. Der Besuch des Wasserfalls kann nur empfohlen werden! Die verfügbare Zeit wurde anschließend noch dazu genutzt, eine in der Nähe bei Lykling befindliche alte Goldgrube aufzusuchen. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Norwegen hier einen Goldrausch der seinesgleichen sucht. Es arbeiteten hier um 1858 mehrere hundert Männer. Heute sind die Gruben ein schönes Wandergebiet. Uns ergriff bei der Besichtigung sofort eine Goldgräberstimmung. Fündig wurden wir leider nicht. Aber auch ohne Nuggets war es ein schöner Ausflug.
„Viel Spaß bei der Suche nach einem so geilen Team, wie uns!“
Kapitel 7- Die Abreise
Die Tage vergingen viel zu schnell und es wurde Zeit, die Heimreise anzutreten.
Der Vermieter tauchte auf und gab Hinweise, wie das Haus und die Boote zu übergeben wären. Er stellte dann plötzlich fest, dass ein Bootsfender fehlt. Dafür wollte er 30,00€ haben. Auch war ihm wohl die von uns gründlich vorgenommene Bootsreinigung nicht gründlich genug. Beim Betanken der Boote monierte er, der eine Kanister wäre nicht ganz voll. Noch auf der Fähre rief er uns an und behauptete, ein Kleiderträger wäre kaputt. Das er einen Sessel im Wohnzimmer durch einen untergelegten Hohlklotz provisorisch nutzbar gemacht und der Spülkasten in der einen Toilette einen kräftigen Riss hatte, übersah er geflissentlich, trotz unserer Hinweise. Das hat uns zum Abschied verärgert. Man sollte deshalb immer auf eine Übergabe und Abnahme des Ferienobjektes dringen. Der gute Mann hatte aber augenscheinlich keine Lust dazu. Unabhängig davon waren es aber wieder schöne Tage in Norwegen.
Unsere Rückreise führte uns nach Stavanger. Da die Fähre erst gegen 20.00 Uhr ablegen sollte, blieb uns bis zur Einschiffung viel Zeit.Diese nutzten wir, um die Stadt kennen zu lernen. So besuchten wir das dortige Schifffahrtsmuseum. Hier lernten wir die Geschichte der Erdölförderung Norwegens und dem damit für das Land entstandenen unvorstellbaren Reichtum kennen. Die Ausstellung informierte über die Entwicklung der Fördertechnik, sowie die damit verbundenen, bisherigen großen Unglücke. Auch war es interessant die Rettungstechnik zu sehen. Ein Besuch des Schifffahrtsmuseum lohnt sich.
Mit diesen tollen Eindrücken verabschiedeten wir uns von Stavanger und gingen an Bord der Fähre. In Hirtshals (Dänemark) um 8.00 Uhr angekommen, machten wir uns auf den Heimweg. Was bleibt, sind unbezahlbare Erinnerungen an einen gemeinsamen Angelurlaub.
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